Frettchen Vergesellschaftung: Die 6 häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Die Frettchen Vergesellschaftung findet nicht auf neutralem Boden statt
Der wohl häufigste Fehler überhaupt ist der Ort der ersten Begegnung.
Viele setzen das neue Frettchen einfach ins Zimmer der bestehenden Gruppe. Für uns Menschen wirkt das logisch – schließlich soll es dort später auch leben.
Für deine Frettchen sieht das aber ganz anders aus.
Sie kennen diesen Raum, sie kennen jeden Schlafplatz und jede Ecke. Es ist ihr Revier. Kommt plötzlich ein fremdes Frettchen dazu, wird dieses häufig erst einmal als Eindringling angesehen.
Deshalb solltest du die erste Vergesellschaftung möglichst auf neutralem Boden stattfinden lassen.
Dafür musst du nicht extra irgendwo hinfahren. Oft reicht schon ein Raum, den deine Frettchen normalerweise kaum oder gar nicht nutzen.
Außerdem sollte der Raum möglichst offen sein.
Viele denken, möglichst viele Verstecke wären gut. Tatsächlich können diese am Anfang aber zum Problem werden. Wird ein Frettchen in einer Höhle oder hinter Möbeln in die Enge gedrängt, kann die Situation schneller eskalieren.
Etwas freie Fläche macht es den Tieren deutlich leichter, sich aus dem Weg zu gehen oder Konflikte selbst zu lösen.
Fehler 2: Das Alter der Frettchen passt nicht zusammen
Immer wieder liest man, dass Welpen grundsätzlich einfacher zu vergesellschaften sind.
Das stimmt oft auch.
Ein Welpe ist neugieriger und häufig noch etwas offener gegenüber neuen Situationen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Vergesellschaftung problemlos funktioniert.
Mindestens genauso wichtig ist der Altersunterschied.
Wenn deine Gruppe zum Beispiel aus zwei vierjährigen Frettchen besteht, würde ich persönlich keinen einzelnen Welpen dazu setzen.
Der Kleine möchte stundenlang spielen.
Die älteren Tiere möchten vielleicht lieber schlafen.
Das sorgt schnell für Frust auf beiden Seiten.
Deshalb gilt in der Frettchenhaltung häufig die Empfehlung, bei einem größeren Altersunterschied lieber zwei Welpen aufzunehmen.
Die beiden können miteinander spielen, sich gegenseitig beschäftigen und nehmen gleichzeitig etwas Druck von den älteren Frettchen.
Fehler 3: Die Grundvoraussetzungen stimmen nicht
- Ein unkastrierter Rüde, besonders während der Ranz, kann schnell zu Problemen führen. Durch die Hormone sind viele Rüden deutlich triebgesteuerter und gehen mit anderen Frettchen oft alles andere als sanft um.
- Eine Fähe in der Ranz kann sich ebenfalls völlig anders verhalten als außerhalb der Ranz. Dadurch kann eine Vergesellschaftung deutlich schwieriger werden.
- Ein krankes oder geschwächtes Frettchen solltest du ebenfalls nicht unterschätzen. Tatsächlich habe ich schon ein- bis zweimal erlebt, dass eine bestehende Gruppe auf ein krankes oder geschwächtes Tier besonders heftig reagiert hat. Ob das tatsächlich am Gesundheitszustand lag, kann ich natürlich nicht sicher sagen. Nach meiner Erfahrung kann dieser aber durchaus Einfluss auf eine Vergesellschaftung haben.
Mein Rat ist deshalb: Lass neue Frettchen vor einer Vergesellschaftung einmal tierärztlich durchchecken und achte darauf, dass gesundheitlich und hormonell möglichst gute Voraussetzungen bestehen. Das erhöht zwar nicht automatisch die Erfolgschancen, nimmt aber einige mögliche Probleme von Anfang an aus dem Weg.
Fehler 4: Die Erwartungen sind einfach zu hoch
Ich glaube, wir wünschen uns alle die berühmte Liebe auf den ersten Blick.
Das neue Frettchen kommt aus der Transportbox, alle beschnuppern sich kurz und schlafen abends gemeinsam im Bettchen.
So läuft es leider nur sehr selten.
- Frettchen müssen sich kennenlernen.
- Sie müssen ihre Rangordnung klären.
- Sie müssen herausfinden, wer der andere überhaupt ist.
Und nein – sie setzen sich dafür nicht gemeinsam an einen Tisch und reden alles aus.
Sie kommunizieren auf ihre eigene Art.
Deshalb solltest du nicht in Panik geraten, wenn es am Anfang laut wird.
Gerade wenn du viele Jahre nur zwei Frettchen gehalten hast, muss sich deine Gruppe erst einmal daran gewöhnen, dass plötzlich noch ein dritter oder vierter Charakter herumläuft.
Nur weil du dein neues Frettchen bereits ins Herz geschlossen hast, müssen deine anderen Frettchen noch lange nicht derselben Meinung sein.
Genau daran scheitern viele Vergesellschaftungen. Nicht, weil die Tiere sich niemals verstehen würden, sondern weil wir Menschen oft schon nach wenigen Tagen enttäuscht sind und erwarten, dass sofort alles harmonisch läuft.
Dabei brauchen viele Frettchen einfach Zeit, um sich kennenzulernen und ihre Rangordnung zu klären.
Fehler 5 : Die Vergesellschaftung wird zu früh abgebrochen
Das ist wahrscheinlich der Fehler, den ich am häufigsten beobachte.
Es gibt Halter, die brechen eine Vergesellschaftung schon nach zwei oder drei Tagen ab.
Andere erwarten nach einer Woche, dass bereits alles harmonisch läuft.
Dabei brauchen manche Frettchen einfach Zeit.
Was während einer Vergesellschaftung normal sein kann
- Schreien
- Hinterherjagen
- Beißen
- Leichter Schorf im Nacken
- Rangkämpfe
Wann du genauer hinschauen solltest
- Das neue Frettchen traut sich auch nach ein bis zwei Wochen kaum noch aus seinem Versteck.
- Es frisst deutlich weniger.
- Es verliert sichtbar Gewicht.
- Die Verletzungen werden immer schlimmer.
- Ein Tier wirkt dauerhaft apathisch oder zieht sich komplett zurück.
Oft hört man den Satz:
"Wenn Blut fließt, muss sofort getrennt werden."
Ganz so pauschal sehe ich das persönlich nicht.
Wir reden hier schließlich über Frettchen.
Sie haben scharfe Zähne und packen sich bei Rangkämpfen häufig immer wieder im Nacken.
Dadurch kann es durchaus passieren, dass eine kleine Stelle leicht blutet, ohne dass gleich die komplette Vergesellschaftung gescheitert ist.
Natürlich sollte man Verletzungen immer beobachten.
Aber ein kleiner Kratzer bedeutet nicht automatisch, dass sich die Tiere niemals verstehen werden.
Meine längste Vergesellschaftung hat übrigens rund zwölf Monate gedauert.
Das ältere Frettchen hatte vorher nie Kontakt zu Artgenossen und musste das Sozialverhalten praktisch komplett neu lernen.
Ich hatte aber genauso Vergesellschaftungen, bei denen nach einem einzigen Tag alles erledigt war.
Nach meiner Erfahrung dauert es im Durchschnitt ungefähr zwei bis drei Monate, bis wirklich Ruhe eingekehrt ist.
Und manchmal passiert es plötzlich.
Von einem Tag auf den anderen liegen alle zusammen im Bettchen und man fragt sich, warum man sich überhaupt so viele Sorgen gemacht hat.
Wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst, schau gerne in meiner WhatsApp-Gruppe vorbei.
WhatApp - Frettchen Gruppe - Austausch
Fehler 6 : Veraltete Tipps, die meiner Meinung nach nichts bringen
Gerade im Internet kursieren viele Ratschläge, die seit Jahren weitergegeben werden.
Einige davon halte ich persönlich für wenig sinnvoll.
Erst durch ein Gitter beschnuppern lassen
Ich konnte dadurch bisher keinen Vorteil feststellen.
Meiner Erfahrung nach sorgt das eher dafür, dass die Tiere merken, dass da etwas Fremdes ist, sie die Situation aber gar nicht richtig einschätzen können.
Decken vorher austauschen
Auch das wird oft empfohlen.
Ich persönlich habe dadurch noch nie eine bessere Vergesellschaftung erlebt sondern ehr das Gegenteil das es evt. Agressionen nur steigert.
Das neue Frettchen mit Duftstoffen einreiben
Davon halte ich überhaupt nichts.
Es bringt meiner Meinung nach keinen Vorteil und bedeutet für das neue Frettchen nur zusätzlichen Stress.
Mit einer Wasserflasche eingreifen
Viele empfehlen, streitende Frettchen mit Wasser auseinanderzuspritzen, dass ist ein absolutes NO Go.
Die Tiere müssen ihre Kommunikation untereinander klären können.
Wird ständig eingegriffen, sorgt das meiner Erfahrung nach eher für zusätzlichen Frust.
Alle Frettchen gemeinsam in eine Transportbox setzen
Auch diesen Tipp liest man leider immer wieder.
Ich halte ihn für keine gute Idee.
Auf engstem Raum stehen alle Tiere unter Stress und gleichzeitig steigt das Verletzungsrisiko deutlich.
Mein Fazit zur Frettchen Vergesellschaftung
Eine Frettchen Vergesellschaftung kann anstrengend sein.
Sie kostet Zeit, Geduld und manchmal auch starke Nerven.
Trotzdem ist sie kein Hexenwerk.
Die meisten Vergesellschaftungen scheitern nicht daran, dass sich Frettchen grundsätzlich nicht verstehen, sondern daran, dass typische Fehler gemacht oder die Erwartungen einfach zu hoch sind.
Gib deinen Frettchen Zeit.
Beobachte sie genau.
Und lass dich nicht verrückt machen, wenn es am Anfang etwas lauter wird.
Denn manchmal dauert es nur einen Tag.
Und manchmal eben ein paar Monate.
Beides kann völlig normal sein.

